Bei der Premiere von „Der Teufel trägt Prada 2“ in New York betritt Emily Blunt gemeinsam mit Anne Hathaway, Meryl Streep und Stanley Tucci den roten Teppich. Ein Quartett, das sofort an den Geist des Originalfilms erinnert, ihn jedoch durch eine modernere Perspektive bricht – dort, wo ihr ikonischer Status auf bewusste Präsenz und Einfluss trifft. Die Aufnahmen des Events betonen genau das: nicht bloße Nostalgie, sondern der Aufbau einer neuen, gemeinsamen visuellen Identität.

Emily Blunt Look mit durchdachter Wirkung bei der Premiere von „Der Teufel trägt Prada 2“
In diesem Kontext wirkt ihre Wahl fast strategisch. Blunt erscheint in einem Couture-Kleid von Schiaparelli aus der Frühjahrskollektion 2026, Look Nr. 11 aus der Kollektion von Daniel Roseberry – ein Outfit, das gleichzeitig durch Farbe, Silhouette und eine stark aufgeladene Symbolik wirkt.

Schiaparelli - 2026
Am stärksten tritt das Spiel der Kontraste hervor – weniger in den Farben als in der Struktur des Kleides selbst. Das Oberteil ist eng und fast architektonisch geformt, während der Rock in reichhaltigen, mehrlagigen Volumen aus übereinandergelegtem Tüll ausläuft. So entsteht eine Silhouette, die den Linien des Körpers nicht folgt, sondern sie neu definiert.

Und hier zeigt sich eine deutliche Verbindung zur Tierwelt, die seit jeher ein zentrales Element der Ästhetik von Schiaparelli ist. Während Elsa Schiaparelli das Modehaus zu einem Synonym für kühne faunistische Motive machte – etwa mit dem ikonischen Hummerkleid, das seinerzeit für Aufsehen sorgte –, richtet Daniel Roseberry diese Bildsprache stärker auf Vögel aus. Federn, Flügel und scheinbar leichte, tatsächlich jedoch komplex konstruierte Formen prägen die zentrale Linie der Kollektion.Im konkreten Fall des Kleides von Emily Blunt wird diese Idee in ein Korsett übersetzt, das an die Brust eines kleinen Vogels erinnert. Dabei handelt es sich nicht um eine wörtliche Anspielung, sondern um eine formale Interpretation: Oberfläche, Rundungen und Dichte erzeugen ein organisches, fast anatomisches Empfinden. Im Gegensatz dazu erweitert der Rock die Bewegung und schafft einen skulpturalen Effekt, der sich gleichzeitig horizontal und in der Tiefe durch das mehrschichtige Tüll-Volumen entfaltet.

Das interessanteste Detail zeigt sich an der Rückseite des Kleides. Es wird mit Korsettschnürungen geschlossen – ein Element, das im Vergleich zur Vorderseite einen anderen Akzent setzt. Dort wirkt die Konstruktion deutlich zarter und freier und bricht gerade dadurch die anfängliche Strenge der Silhouette auf.Es überrascht nicht, dass dieses Detail auf dem roten Teppich besondere Aufmerksamkeit erregt: Blunt dreht sich mehrmals, als würde sie bewusst das Vorhandensein dieser verborgeneren, zweiten Dimension des Looks betonen.

Neben ihr schaffen Anne Hathaway, Meryl Streep und Stanley Tucci ein visuelles Gleichgewicht, das auf Unterschiedlichkeit basiert. Während Streep eine strengere Silhouette wählt und Hathaway auf reduzierte Eleganz setzt, bringt Blunt ein Element des Bruchs ein. Ihr Kleid sucht keine Harmonie, sondern Kontrast.Ist das auch ein Hinweis auf den Film selbst?
Autor:VOUGE